Extreme Make-Over - Metamorphosen in Brass


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Idee

Am 18. und 19. Mai führt die Brass Band Cazis unter dem Titel «Extreme Make-Over - Metamorphosen in Brass» zwei Konzerte in Chur und Cazis auf. Wie es der Name bereits verrät, steht dieses Konzertprojekt ganz im Zeichen von (musikalischen) Metamorphosen. Die Band unter der Leitung von Enrico Calzaferri möchte dem Publikum aufzeigen, wie es klingt, wenn eine Brass Band Werke spielt, die im Original nicht für eine solche geschrieben wurde. Die beiden Konzerte drehen sich also um Musik, die etwas Bestehendes in irgendeiner Form entfremdet und damit etwas Neues entstehen lässt.


Extreme Make-Over by Johan de Meij

Das titelgebende Werk «Extreme Make-over - Metamorphoses on a Theme by Tchaikovsky» des niederländischen Komponisten Johan de Meij besteht aus einer Reihe von musikalischen Metamorphosen zu einem Thema aus dem bekannten Andante cantabile von Peter Iljitsch Tschaikowsky (der zweite Satz seines Streichquartetts Nr. 1 in D, op. 11, geschrieben 1871). «Nie in meinem Leben habe ich mich so geschmeichelt gefühlt, nie war ich so stolz auf meine schöpferischen Kräfte, als wenn Lev Tolstoi neben mir auf dem Stuhl sass und meinem Andante zuhörte und die Tränen über seine Wangen liefen», schrieb der Komponist Tschaikowsky im Winter 1876 anlässlich eines besonderen Konzertes, das für Tolstoi am Moskauer Konservatorium organisiert wurde. 1888 arrangierte Tschaikowsky diesen Satz für Cello und Orchester.

Das Hauptthema des Andante Cantabile basiert auf einem russischen Volkslied. In Extreme Make-over wird dieses Thema in seiner ursprünglichen Form von einem Blechbläserquartett aus zwei Cornets, Horn und Euphonium eingeführt. Bei der Reprise des Themas schleichen sich gedämpfte Cornets fast unhörbar neben die vier Solisten und verlängern jeden Ton der Melodie, als ob das Haltepedal eines Klaviers gedrückt wäre. Die erste Metamorphose geht von einem einzigen Ton aus, dem die beiden aufeinander folgenden Töne des Themas in glockenartigen Akkorden hinzugefügt sind. Das Hinzufügen der tieferen Sekunde führt zu einer völlig neuen Klangwelt und vollendet die erste Metamorphose. Im Vorgriff auf das kanonische Thema des Finales bildet ein Paukensolo den Übergang zur Alla marcia. Dieser Satz ist in einem robusten neo-klassischen Stil komponiert und gespickt mit Zitaten, darunter Fragmente aus Tschaikowskys Vierten und Sechsten Symphonien und der Fantasy-Ouvertüre Romeo und Julia.

Der folgende Satz enthält eine eher unkonventionelle Instrumentalgruppe: zehn gestimmte Flaschen, gespielt von Mitgliedern der Cornet-Sektion. Diese Gruppe bietet schliesslich die Begleitung für ein umfangreiches Marimba-Solo, das nach und nach eine Art Gamelan-Effekt erzeugt. Beim Komponieren für die gestimmten Flaschen wurde die «Hoketus»-Technik angewandt: Jeder Spieler erzeugt eine einzelne Note der Melodie oder des Akkords.
Diese fragile Bewegung fügt sich nahtlos in das Finale ein, eine kanonische Behandlung des Themas. Indem sie sich durch jede Instrumentalgruppe hindurchschlängeln, führt sie uns zu einem festlichen Abschluss.


Gastsolist Jonas Vischi

Das zweite Hauptwerk besteht aus einem Violoncello-Konzert, in welchem der Gastsolist Jonas Vischi seine Virtuosität auf dem Cello in eindrücklicher Art und Weise demonstriert. Man vernimmt in diesem Stück Klänge von einem traditionellen Instrument, die man so nicht erwartet und auch die Musik selber karikiert diverse Stile. Begleitet wird Jonas von Ursin Camenisch auf der Gitarre.

Der 1988 in Weingarten (Deutschland) geborene Cellist Jonas Vischi erhielt seinen ersten Cellounterricht mit vier Jahren bei M. Grüner an der Musikschule Ravensburg und wurde schon zu dieser Zeit beim Wettbewerb «Jugend musiziert» mit mehreren ersten Preisen ausgezeichnet.
Ab 1998 war er Schüler von E. Kostyak an der Musikakademie Basel, von 2003 bis 2010 an der Musikhochschule Karlsruhe bei Prof. Martin Ostertag. Anschliessend studierte er an der Musikhochschule Luzern bei Prof. Guido Schiefen, bei welchem er sein Studium 2017 mit Höchstnote abschloss.

Orchestererfahrung erwarb er als Stimmführer des Bundesjugendorchesters und in der «Jungen Deutschen Philharmonie». Seit 2016 ist er festes Mitglied im Luzerner Sinfonieorchester, ausserdem Zuzüger im Berner Sinfonieorchester, sowie Solo-Zuzüger im WDR-Rundfunkorchester.

Jonas Vischi

 

Auch solistisch tritt er häufig auf, so zum Beispiel mit dem Luzerner Sinfonieorchester, den Bochumer Symphonikern, dem Collegium Instrumentale Stuttgart, dem Oberschwäbischen Kammerorchester, oder dem Campus Orchester Luzern. Ausserdem liess er sich an diversen Meisterkursen, unter anderem bei Heinrich Schiff, Jens Peter Maintz und Christian Poltera, inspirieren. Jonas Vischi war Finalist beim Internationalen Johannes Brahms Wettbewerb, beim internationalen Bodensee–Musikwettbewerb und beim internationalen Kammermusikwettbewerb Danzig. 2012 erhielt Jonas Vischi den 1. Preis beim internatinalen Cellowettbewerb Liezen (A).


Ursin Camenisch (E-Gitarre)

Geboren und aufgewachsen in Ladir im Bündner Oberland wurde Ursin Camenisch schnell klar, dass Musik einen grossen Platz in seinem Leben haben würde. Der für seine Werke bei den Bündner Bands Satöry und Dropfox bekannte Gitarrist und Komponist ist aktuell Musikstudierender am Winterthurer Institut für Moderne Musik.

Die Blasmusik hat Ursin schon immer fasziniert. Bei Produktionen wie dem Jubiläumskonzert der Musica Giuvenila Lumnezia und der Theaterproduktion «Der Dorfladen» wurde diese Faszination für die Brass Musik noch intensiver. Die Zusammenarbeit mit der Brass Band Cazis und Jonas Vischi stellt somit eine weitere Möglichkeit dar, diese musikalische Welt auszuloten.

Ursin Camenisch

 


Konzertprogramm

Auch das restliche Konzertprogramm dreht sich um Metamorphosen im musikalischen Sinne. Mit dem Stück «Three Kings Swing» präsentiert die Brass Band Cazis beispielsweise die Umwandlung eines ursprünglich starren und strengen Marsches in einen fliessend-schnellen Swing.

Stai si, defenda! | arr. Corsin Tuor

Variations on Laudate Dominum | Edward Gregson

Gl’unviern ei cheu | Stephan Hodel

    Flügelhorn: Anja Carcavallo

Extreme Make-Over | Johan de Meij


                PAUSE


Gaudete | arr. Rodney Newton

Konzert für Violoncello

    I: Ouverture

    II: Idylle

    III: Cadenza

    V: Finale alla marcia

    Cello: Jonas Vischi, Gitarre: Ursin Camenisch

Three Kings Swing | William Himes


Konzertdaten

Freitag 18. Mai 2018 | 20:00 Uhr, GKB Auditorium Chur (Google Maps)

Samstag 19. Mai 2018 | 20:00 Uhr, Bündner Arena Cazis (Google Maps)